In der Fremde

Für LK.

I

Du gehst inmitten einer fremden menge,
vergnügt, und doch von allen ungeahnt,
als wanderin in einem fremden land,
als sanftes lied inmitten rauer sänge.
Du beugst dich keinem ihrer stillen zwänge,
frei und gebunden durch ein loses band,
und dennoch als ein funke nur verkannt
von vielen, du mein feuer dieser menge.
Sie nennen dich bei hohlen kosenamen,
sie schauen, sehn sie dich, an dir vorbei
ganz ohne es zu wissen, du mein amen.
Doch ich erkenne dich und reiß dich frei
aus einem eitlen kosmos, dich, du welt,
die einzig mir noch wertes leben hält.

II

Du gehst inmitten deiner fremden menge,
vergnügt in ihren kreisen tief gebannt,
als wandertest du durch dein heimatland
und formtest auf den lippen seine sänge.
Du liebst und lebst dank ihrer eitlen zwänge,
und tanzt verspielt in ihrem fesselband,
ein feuer, das einst mir allein gebrannt,
nun immer heller lodernd für die menge.
Du schriebst für sie den alten, lieben namen
in neuen lettern, ihrem konterfei.
Aus deinem wehren wurd ein stolzes amen.
Bist du gefangen, wähne ich mich frei.
Doch schein ich dir in meiner leeren welt
wie einer, der sich selbst in ketten hält.

III

Merkwürdige, du über alle zwänge
hintanzende, du nun in fernem land
sich wandelnde und fremder, unbekannt
mir werdende, wann enden deine sänge,
die, leichtes lachen, hell durch jeder menge
gewühl zu mir sich stets hinabgebahnt?
Wie lange liegen noch in deiner hand
die sterne – ich inmitten deiner fänge?
Wie lange suche ich noch nach dem namen,
der dich verbannen kann, mich endlich frei
sein lässt? Wann wohl die kräfte mir erlahmen
von meiner flucht und jagd, dein konterfei
am horizont verblasst, und meine welt
sich nicht an deinen atemzügen hält?
Aus der Sammlung TJA.