Tagelied

Der morgenstern sticht durch die fensterscheiben
ins herz, der wächter warnt von seiner zinne:
Die minne
gehört der nacht, und sonne nimmt sie fort.
Du kannst, Geliebter, darfst nicht bei mir bleiben. –
            An diesem ort
ist todes bote bloßes bretter-knarren
und henker, wessen weg dich kreuzt im gange.
Nicht lange
war dauer unserm kuss und unserm spiel.
Du kannst, Geliebter, darfst nicht länger harren. –
            Danieder fiel
die erste meiner schweren trennungs-tränen,
die scheiden schöpft aus leergeglaubten quellen.
Wie fällen
die stunden, was die nacht uns aufgebaut.
Geliebter, geh, und lasse mir mein sehnen:
            Der morgen graut.